Feministische Gedanken zum Morgengrauen
Friday, December 9, 2011 at 10:09
Der Artikel heisst Gleichberechtigung. Meine freie Wahl. Der Text endet so:
Wer einmal versucht hat, sich mit Geschlechtsgenossinnen
zu verschwören, und zwar auf jene Weise, in der sich Jungs
früher in Gangs zusammengeschlossen haben, weiß, dass
das in etwa so erfolgversprechend ist wie das Ausfüllen eines Lottoscheins.
Zuallererst, habe den Artikel noch nicht gelesen. Aber der Absatz spricht und springt mich ausreichend an.
Die Gangs, die Jungs gründen sind Gangs, die Jungs gründen. Männer gründen andere "Gangs" und Frauen wieder andere. -- Der Teil der These ist mir persönlich also ein bisschen zu plakativ/polemisch.
Doch ich denke oft über die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Zusammenrottung und gegenseitigen Hilfe nach.
Und weil ich das nicht total verallgemeinern kann und will, erzähle ich von meiner Sicht auf die Welt.
Ein professionelles Frauennetzwerk hat mir meine Selbstständigkeit gekickstartet. Zum einen durch die bereitwillige Unterstützung, die ich da erfahren habe und zum anderen weil ich dadurch Selbstständigkeitsbeispiele hatte, die es sonst kaum gibt. Und mir sagen konnte: Wenn die das so und so können, kann ich das auch.
Bei mir kommt jedoch sofort ein Drang, andere auszustechen dazu. Ich kann nicht pur positiv netzwerkig in der Gruppe sein. Ist sofort Wettbewerb.
Vielleicht ein weibliches Feature, weil unser Heil ja bis vor ca. 60 Jahren davon abhing, ob wir uns den besten Mann unter den Nagel reißen. Der Modus "Das beste nur und ausschließlich für mich" ist sicher noch aktiv, auch wenn es nicht mehr um den Mann geht. Dieser Modus verhindert totale Eintracht.
Wo ich dagegen prima bin, ist das ganz gezielte Mentoring meiner Freundinnen. Erst diese Woche hat eine Freundin zu mir gesagt, dass ich sowas wie ihr Über-Ich bin. Ich verstehe mich eher als Bordell-Madame, Puffmutti. Ich passe auf meine Mädchen auf, sage ihnen, welche sonnigen Gefilden warten und welche Abgründe drohen und wie sie alles aus sich rausholen könnten, wenn sie sich trauen.
Männer halten einfach so zusammen. Sicher gibt es Ausnahmen und sicher gibt es Konkurrenz. Aber alles Kindergarten gegen die Intensität, mit der eine Frau eine andere Frau hassen kann.
Clubs für Männer gibt es seit Ewigkeiten. Männer haben es leichter, weil es ihnen leichter gemacht wird und weil sie es sich selbst leichter machen.
Der erste Teil ist strukturell ungerecht, der zweite Teil tragisch.
Du wirst zum Glück nie die Ausmaße der Selbstsabotage und Unwürdigkeitsgefühle kennen, die selbst erfolgreichste Frauen an den Tag legen.
Ich sehe, dass sich das alles gerade sehr ändert. Die Rolle des männlichen Blicks in der Konsitution des weiblichen Selbstbewusstseins wird zusehend marginaler. Es wird zunehmend wichtig, wie großartig, geschmackvoll, modisch mutig eine Frau von anderen Frauen gefunden wird.
Eine Entwicklung, die ich enorm begrüße, weil sie meinen Geschlechtsgenossinnen eine neue Ebene an Freiheiten gibt.
Mein Fazit: Wir haben noch einiges an Weg vor uns bevor unsere Schutzmechanismen und andere Überlebenstaktiken (die einen echten Ursprung haben und trotzdem kontraproduktiv sind) uns nicht mehr hindern "Gangs wie Jungs" gründen können. Und wenn wir soweit sind, gründen wir natürlich etwas viel besseres.
Denn eins stimmt auch: Dass wir uns jeden Tag gegen strukturellen Widerstand behaupten und dass wir so viel besser sein müssen um als halbwegs gleichwertig zu gelten kombiniert mit unseren gottähnlichen Fähigkeiten Leben zu schaffen macht uns sicherlich zum objektiv überlegenen Teil der Menschheit.
Und du siehst es sicher: Mein Ziel ist nicht die Gleichberechtigung. Da möchte ich noch nicht aufhören.
Revolution!
Berlinessa |
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