Wer ist Berlinessa?

Eine Berliner New Yorkerin, die den Abenteuern und Banalitäten der Metropole mit ner doppelten Erwachsenenportion Neugier und Mitteilungsbedürfnis begegnet.

Eine selbstständige Werbetexterin mit Schwäche für Projekte in den Bereichen Lifestyle, Kosmetik und Fashion und einer ganzen Hand am Puls der aktuellen Trends und Strömungen.

Willste mehr wissen? Hier geht's zu www.copygold.de, meiner Webseite.

Kannst mir auch schreiben, ich freu mich: katja@copygold.de


Berlinessa durchsuchen:

Powered by Squarespace
Login
Twitteritis
Give me some bloglovin'
Follow Berlinessa in New York
Add to Google
Friday
Dec092011

Feministische Gedanken zum Morgengrauen

Heute hat mich die E-Mail eines Freundes begrüßt. Er hatte einen Artikel zum Thema Feminismus gelesen und wollte meine Meinung zu einem Absatz wissen. 

 
Der Artikel heisst Gleichberechtigung. Meine freie Wahl. Der Text endet so:
 

Wer einmal versucht hat, sich mit Geschlechtsgenossinnen
zu verschwören, und zwar auf jene Weise, in der sich Jungs
früher in Gangs zusammengeschlossen haben, weiß, dass
das in etwa so erfolgversprechend ist wie das Ausfüllen eines Lottoscheins.

Ich habe ihm eine Antwort geschrieben. Dann habe ich diese Antwort an mir sehr liebe Freundinnen geschickt. Und jetzt möchte ich sie auch hier mit dir teilen.
Weil mich deine Meinung interessiert. Ja, deine!
Hier geht's los:

Zuallererst, habe den Artikel noch nicht gelesen. Aber der Absatz spricht und springt mich ausreichend an.
 
Die Gangs, die Jungs gründen sind Gangs, die Jungs gründen. Männer gründen andere "Gangs" und Frauen wieder andere. -- Der Teil der These ist mir persönlich also ein bisschen zu plakativ/polemisch.

Doch ich denke oft über die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Zusammenrottung und gegenseitigen Hilfe nach.

Und weil ich das nicht total verallgemeinern kann und will, erzähle ich von meiner Sicht auf die Welt.

Ein professionelles Frauennetzwerk hat mir meine Selbstständigkeit gekickstartet. Zum einen durch die bereitwillige Unterstützung, die ich da erfahren habe und zum anderen weil ich dadurch Selbstständigkeitsbeispiele hatte, die es sonst kaum gibt. Und mir sagen konnte: Wenn die das so und so können, kann ich das auch.

Bei mir kommt jedoch sofort ein Drang, andere auszustechen dazu. Ich kann nicht pur positiv netzwerkig in der Gruppe sein. Ist sofort Wettbewerb.

Vielleicht ein weibliches Feature, weil unser Heil ja bis vor ca. 60 Jahren davon abhing, ob wir uns den besten Mann unter den Nagel reißen. Der Modus "Das beste nur und ausschließlich für mich" ist sicher noch aktiv, auch wenn es nicht mehr um den Mann geht. Dieser Modus verhindert totale Eintracht.

Wo ich dagegen prima bin, ist das ganz gezielte Mentoring meiner Freundinnen. Erst diese Woche hat eine Freundin zu mir gesagt, dass ich sowas wie ihr Über-Ich bin. Ich verstehe mich eher als Bordell-Madame, Puffmutti. Ich passe auf meine Mädchen auf, sage ihnen, welche sonnigen Gefilden warten und welche Abgründe drohen und wie sie alles aus sich rausholen könnten, wenn sie sich trauen.

Männer halten einfach so zusammen. Sicher gibt es Ausnahmen und sicher gibt es Konkurrenz. Aber alles Kindergarten gegen die Intensität, mit der eine Frau eine andere Frau hassen kann.

Clubs für Männer gibt es seit Ewigkeiten. Männer haben es leichter, weil es ihnen leichter gemacht wird und weil sie es sich selbst leichter machen.

Der erste Teil ist strukturell ungerecht, der zweite Teil tragisch.

Du wirst zum Glück nie die Ausmaße der Selbstsabotage und Unwürdigkeitsgefühle kennen, die selbst erfolgreichste Frauen an den Tag legen.

Ich sehe, dass sich das alles gerade sehr ändert. Die Rolle des männlichen Blicks in der Konsitution des weiblichen Selbstbewusstseins wird zusehend marginaler. Es wird zunehmend wichtig, wie großartig, geschmackvoll, modisch mutig eine Frau von anderen Frauen gefunden wird.

Eine Entwicklung, die ich enorm begrüße, weil sie meinen Geschlechtsgenossinnen eine neue Ebene an Freiheiten gibt.

Mein Fazit: Wir haben noch einiges an Weg vor uns bevor unsere Schutzmechanismen und andere Überlebenstaktiken (die einen echten Ursprung haben und trotzdem kontraproduktiv sind) uns nicht mehr hindern "Gangs wie Jungs" gründen können. Und wenn wir soweit sind, gründen wir natürlich etwas viel besseres.

Denn eins stimmt auch: Dass wir uns jeden Tag gegen strukturellen Widerstand behaupten und dass wir so viel besser sein müssen um als halbwegs gleichwertig zu gelten kombiniert mit unseren gottähnlichen Fähigkeiten Leben zu schaffen macht uns sicherlich zum objektiv überlegenen Teil der Menschheit.

Und du siehst es sicher: Mein Ziel ist nicht die Gleichberechtigung. Da möchte ich noch nicht aufhören.

Revolution!

Tuesday
Dec062011

Legalize Berlinessa

Seit zwei Wochen läuft mein Antrag auf die grüne Karte. Nächste Woche schon geht es zum ersten Termin: Die Erfassung meiner biometrischen Daten.

Es amüsiert mich, dass alle vermuten, ich würde dadurch automatisch zur Amerikanerin. Weit gefehlt!

Mir ist mein bordeauxroter Pass ans Herz gewachsen, den gebe ich nicht her.

Tuesday
Dec062011

Die ewige Touristin -- Mit Touristenvisum in den USA

Diese Geschichte ist schon ein paar Jahre alt und wurde damals in einer Broschüre über Migration veröffentlicht.

---

„Machen Sie hier Urlaub?“ fragt die Frau, die heute entscheiden darf, ob ich zurück in die USA einreisen darf. Nach acht Stunden Flug und zwei Stunden lang die Warteschlange vor den Plexiglaskästen mit den Homeland-Security-Beamten entlang schlängeln, bin ich nicht mehr ganz bei der Sache. Sie muss mich noch einmal fragen. Und erst da merke ich, dass sie schon die ganze Zeit Deutsch mit mir spricht.

„Urlaub? Genau. Ich mache hier Urlaub.“ Plötzlich bin ich wieder ganz wach und in den nächsten fünf Minuten unterhalten wir uns zwischen Fingerabdruck abnehmen und in die Kamera gucken darüber, dass ihre Familie ursprünglich aus Dortmund stammt und sie wirklich mal wieder Deutschland besuchen muss.

Sie blättert glücklicherweise nicht groß in meinem Pass herum, in dem sich die roten ovalen Einreisestempel nur so tummeln, sondern drückt mir ohne viel Federlesen einen neuen hinein und wünscht mir einen schönen Urlaub.

„Wieder drin!“ denke ich mir.  „Gottseidank!“ denke ich auch. Und dann möchte ich mich direkt Benedikt-mäßig hinwerfen und den Boden küssen.

Denn hier ist New York und hier bin ich zu Hause.

Ich erinnere mich noch an meine letzte Einreise als echte Touristin mit echten Urlaubsabsichten. Die Fingerabdrücke waren gerade Pflicht geworden und wenn ich die Regelung schon nicht ändern konnte, wollte ich es dem Homeland-Security-Mann wenigstens ein bisschen umständlich machen. Also habe ich ihm tausend Löcher in den Bauch gefragt und ihm rundheraus gesagt, wie doof und unnütz ich das alles finde.

Das war vor ziemlich genau zwei Jahren.

Heute hätte ich mir jedes Mal eine Auszeichnung für „Vorbildliches Verhalten bei der Einreise in die USA“ verdient.  Widerworte? Fehlanzeige. Nehmt meine Fingerabdrücke, meine biometrischen Daten. Meine Seele wollt ihr auch? Meinetwegen. Hauptsache, ihr lasst mich wieder rein.

Ob es das Wert ist? Die ganzen Sorgen, die anfangen sobald der Delta-Flieger vom New Yorker Flughafen in Richtung Berlin abhebt und die erst wieder richtig vorbei sind, wenn ich einen neuen Stempel im Pass habe?

Klar ist es das Wert. New York ist meine Heimat geworden. Ich bin New Yorkerin.

Dass mir dadurch, dass ich keine richtige „Aufenthaltsgenehmigung“, sondern nur ein Touristenvisum habe, immer Mal ein paar Hürden im Weg stehen, ist natürlich doof. Aber davon lasse ich mir meine Bewegungsfreiheit nicht einschränken. Wäre ja noch schöner. – Ich finde, dass jeder Mensch genau da leben können sollte, wo er will.

Ich will hier leben. Also lebe ich hier auch. – Und plötzlich bin ich Migrantin.

„Migrant“, „Mensch mit Migrationshintergrund“. Während meines Studiums habe ich so häufig mit diesen Begrifflichkeiten hantiert und auf einmal bezeichnen diese Begriffe mich. Jedenfalls so irgendwie. – Denn natürlich fühle ich mich damit nur sehr unzureichend beschrieben.

Ich habe mich nicht aufgemacht, um Migrantin zu werden. Ich habe mich aufgemacht, um New York zu erobern. Seit ich das erste Mal New York besucht habe, wusste ich, dass ich hier mal wohnen werde. Ich habe mein Studium abgeschlossen, mich selbstständig gemacht und als meine Geschäfte so gut liefen, dass ich mir das Leben in New York leisten konnte, habe ich meine Taschen gepackt und bin nach New York geflogen.

Alles Weitere hat sich ergeben und mittlerweile habe ich hier ein kleines Büro in Manhattan und einen Vollzeit-Assistenten.

Alles läuft prima und doch werden manchmal die einfachsten Dinge zu einer großen Aktion. Zum Beispiel weil ich keine Social-Security-Nummer habe. Das ist so etwas wie die persönliche Identifikationsnummer, die einem hier die Türen zu Verträgen und anderen Sachen öffnet.  Zu Handyverträgen oder zu einem Bankkonto. Zum Beispiel.

Mir mein eigenes amerikanisches Bankkonto zu ergaunern, war ein großer Moment.  Ein Moment zum Arme hochreißen und jubeln.

Mein letztes Konto bei der Berliner Sparkasse war ruckzuck fix und fertig eingerichtet und nach zehn Minuten bin ich mit einem roten Ordner und einer Handvoll Stiften rausspaziert. Mein erstes Konto in den USA dagegen hat mich einen halben Tag auf Trab gehalten und mich fast in den Wahnsinn getrieben. Denn ich musste mich mit allen Hierarchieebenen auseinandersetzen, bis ich letztlich beim Filialdirektor gelandet bin und der eingesehen hat, dass mein ausländischer Reisepass ein prima Identitätsnachweis und mein Lieferschein von Amazon für einen iPod eine hinreichende Adressbestätigung ist. Ein halber Tag futsch. Aber es hat sich gelohnt.

Auf mehreren Ebenen. Denn eine Bankverbindung ist nicht nur an sich wichtig (Plötzlich konnte ich Schecks ausschreiben, und damit die Miete oder den Strom bezahlen. Etwas, wofür ich sonst Freund anhauen musste, damit sie ihre Schecks gegen mein Bargeld eintauschen.) Briefe von einer Bank sind ein echter Adressnachweis (im Gegensatz zu Amazon-Rechnungen) und damit sind auf einmal ganz andere Sachen möglich.

Dass Aktion „eigenes Bankkonto“ von Erfolg gekrönt war, war für mich außerdem der Beweis, dass die Leute hier mit gesundem Menschenverstand operieren und ich auch andere Dinge geregelt bekommen werde.

Aber natürlich sind das die Momente, in denen ich gemerkt habe: Hoppla, ich bin nicht mehr Teil der Mehrheitsgesellschaft.

Ich merke das nicht nur, weil ich manchmal vor solchen beknackten Hürden stehe, sondern auch weil ich in diesen „Aneignungsschemen“ denke. (Wenn ich mir erst ein Bankkonto organisiert habe, werden auch andere Sachen einfach werden. Wenn ich das Eine geregelt bekomme, wird auch das Andere einfacher und so weiter und so fort)

Natürlich bin ich bis über beide Ohren privilegiert und meine Sorgen sind banal – das ist mir bewusst. Ich bin Luxus-Migrantin. Trotzdem gibt es Bereiche, die ich ganz anders und viel umständlicher angehen muss und Dinge, die mich auf eine ganz neue Art beschäftigen.

Die amerikanische Mehrheitsgesellschaft, die einen Großteil meines Freundes- und Bekanntenkreises stellt, denkt natürlich meist, ich bin eine von ihnen. Zwar keine Amerikanerin, aber dafür beruflich erfolgreich und als Europäerin sowieso spannend – und dann auch noch aus Ostdeutschland, wie aufregend. Erzählen Sie doch mal.

Die anderen Migranten, meist viel weniger privilegiert, merken natürlich, dass ich eine von ihnen bin. Und in kurzen Ausschnitten verbünden wir uns.

Zum Beispiel wenn mir ein Taxifahrer, der vor 5 Jahren aus Ghana eingewandert ist, empfiehlt, dass ich in den USA Steuern zahlen soll, weil das gut ankommt, wenn man sich für „Residency“ und „Green Card“ und so bewirbt.

Oder wenn ich mich mit einem, der schon in den 1980ern aus Pakistan gekommen ist, über die Wahl in Pakistan unterhalte und wir vom Hundertsten ins Tausendste kommen und ich noch Stunden später ganz entzückt bin, weil ich mich lange nicht so gut über politische Belange, die nicht mit den USA zu tun haben, unterhalten habe.

Was soll ich sagen? Wenn ich mir nicht gerade in die Hose mache, weil ich Einreiseparanoia habe, finde ich meinen Nicht-Status in den USA ziemlich spannend. Ich fühle mich sowieso selten als Teil des großen Ganzen. Und hier in den USA bin ich’s ganz einfach nicht.

Hier bin ich die ewige Touristin.

Thursday
Nov102011

Aus der Rubrik: Schöne deutsche Worte

Ein Wettrennen zwischen Deutsch und Englisch.

Der Deutsche ist zuversichtlich und sagt:

Man kann aus Scheiße Bonbons machen.

Der Englischsprecher macht sich's einfach und glaubt einfach nicht dran:

You can't polish a turd. (Man kann eine Kackwurst nicht polieren.)

Wer hat recht?

Thursday
Nov102011

Wer liest denn sowas?

Stell dir vor, es gäbe ein Buch über Berlinessa in New York. Ein Buch über eine, die sich aufmacht, New York zu erobern. "Persönlich gefärbt und erzählerisch" soll es sein, sagt die Literaturagentur, die mich angesprochen hat.

Würdest du das lesen?

Und wenn ja, was würdest du darin lesen wollen?

Verrätst du es mir?