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Eine Berliner New Yorkerin, die den Abenteuern und Banalitäten der Metropole mit ner doppelten Erwachsenenportion Neugier und Mitteilungsbedürfnis begegnet.

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Wednesday
01Jul2009

Die Zukunft ist KOSTENLOS?

Am Kundenbedürfnis und den Zeichen der Zeit vorbei. Das scheint die einende Grösse der momentan wenn schon nicht untergehenden dann doch sehr stark rumrudernden Industriezeige wie Musikindustrie, Verlagsindustrie und Autoindustrie zu sein. Die Autoindustrie lasse ich mal aussen vor, die beiden anderen Industriezeige regen mich schon genug auf.

Für mich sitzen Verlage im selben Boot wie die Musikindustrie. Beide Industriezweige haben sich vom eigenen (längst vergangenen) Boom so verblenden lassen, dass man sich intern nur noch Gedanken darüber zu machen schien, wie man noch mehr Produkte auf die Menschheit loslassen kann, ohne sich zu überlegen, wie diese Menschheit diese Produkte gern rezipieren möchte.

Wieso soll ich ein ganzes Album kaufen, wenn ich nur 3 Lieder darauf gut finde? Wieso soll ich eine ganze Tageszeitung kaufen, wenn ich den Sportteil und den Wirtschaftsteil und ehrlich gesagt auch den Mantelteil in hohem Bogen in den Müll befördere.

Wenn Musik- und Verlagsindustrie das Internet nicht entweder als Stiefkind oder als Feind auserkoren hätten, sondern sich spannende Vertriebswege und Produktideen überlegt hätten, dann hätte nicht Steve Jobs als NICHT-Musikindustrie-ler kommen müssen, um iTunes zu erfinden.

Hätte, wäre, wenn.

Chris Anderson hat jetzt ein Buch herausgebracht, das heisst "Free. The Future of a radical Price" und beschwört die Kraft des Marktes redaktionelle und musikalische Inhalte auf Kostenpunkt Null herunterzutreiben. Malcolm Gladwell, den wir von seinen Büchern "Blink" und "Outliers" kennen, sagt nun hier, dass sei alles Mist.

Und in gewohnter Manier, ist der New Yorker mit Malcolm Gladwells Artikel noch kein Tag auf dem Markt und schon gibt es fundierte Kommentare aus der Bloggerszene. Hier ist ein guter von Seth Godin.

Ich empfehle diese Links wirklich.Hier nochmal:

Malcolm Gladwell: Priced to Sell. Is free the future?

Seth Goldin: Malcolm is wrong

Im Grunde stimme ich beiden zu und beiden nicht zu. Für mich liegt der Fehler im System, den ich oben kurz angerissen habe. Content-Lieferanten wie Journalisten und Musiker baden jetzt aus, was die Industrien, die ihre Produkte vetreten, jahrelang versäumt haben.

Die Musikindustrie macht sich ja langsam wieder (Nachtrag: Vor allem durch Klingeltöne und ungewöhnliche Lizensierungswege wie man bei Aerosmiths Einnahmen aus Rock Band sieht.). Doch ich finde, beide Industrien brauchen kluge Köpfe, die sich von ausgetretenen Wegen endgültig verabschieden und bitte mal bei den Möglichkeiten und Menschen des 21. Jahrhundert ankommen.

Wie müsste denn zum Beispiel eine Zeitung aussehen, die du abonnieren würdest?

Reader Comments (8)

Ich finde es vor allem bemerkenswert, dass Chris Anderson sich für "Free" eigene Ideen offensichtlich geschenkt und seinen Titel für das Buch zum Programm gemacht hat, indem er direkt weite Passagen seines Buches von Wikipedia plagiiert hat. Sauber. So jemandem hört man doch gern zu, wenn er über die "Gratis"-Ausrichtung der Zukunft redet - der Mann weiß schließlich aus eigener "Das nehm' ich für umme mit"-Erfahrung, wovon er spricht... ;-)

July 1, 2009 | Unregistered CommenterBetatest

Moin, meine Lieblings-Zeitung der Zukunft? Immer noch als Papierausgabe, denn was ich in der Hand halte, kann ich besser lesen und verstehen... ja, ich weiß, ist altmodisch. Täglich brauche ich zwei Nachrichtenseiten aus Wirtschaft und Politik und den Bremerhaven-Lokalteil sowie die Seite "Aus aller Welt" (damit fange ich die Lektüre an). Und dann je nach Erscheinen die Reiseseiten der FAZ, der FR, der WAZ, der Süddeutschen Zeitung, der Zeit und der Welt. Und weil ich mir was wünschen darf auch die der NZZ und des Standard aus Wien. Das wäre eine prima Sache: Ein Oberverlag prodiziert meine persönliche Tageszeitung ( das funktioniert in Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen doch auch, nur da bestimmt der Kapitän bzw. der Hotelinhaber den Inhalt ...)
LG Dörte

July 1, 2009 | Unregistered CommenterDörte

Mir persönlich wäre eine persönliche Zeitung gar nicht so recht. Ich weiß einfach vorher nicht, was mich thematisch hinterher interessiert, und ich diskriminiere folglich auch kein Ressort (wenngleich ich zugebe, dass ich den Kulturteil und den Tratsch vergleichsweise oft überblättere). Ich finde, eine Zeitung muss eine Wundertüte sein, die sowohl ihrer Chronistenpflicht nachkommt und mich über Aktuelles informiert, die mich aber auch überrascht und unterhält. Und das kann in allen Ressorts passieren.

@Dörte:
"Das wäre eine prima Sache: Ein Oberverlag prodiziert meine persönliche Tageszeitung ( das funktioniert in Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen doch auch, nur da bestimmt der Kapitän bzw. der Hotelinhaber den Inhalt ..."

Nicht wirklich. Ein großer deutscher Zeitungsverlag produziert beispielsweise den Sechsseiter, der auf den großen deutschen Kreuzfahrtsschiffen verteilt wird, und zwar ohne jeden Einfluss von Kapitänen und Reedereien. Pro Seite ist ein armer Ressortredakteur zuständig, der das sogenannte "Schiff" binnen zehn Minuten aus Kurzversionen der aktuellen Artikel zusammenzimmert. :-)

@Berlinessa:
Wenn Du Wirtschaft, Sport und überhaupt den ganzen Mantel wegwirfst - was bleibt denn dann noch? Politik steht ja gemeinhin auch im Mantel. Liest Du nur Filmkritiken, Lokales und die Rätselseite?

July 1, 2009 | Unregistered CommenterBetatest

@Betatest. Rätselseite wird auch rausgeschmissen, hatte ich vergessen zu erwähnen. Bei meiner Sunday Times, dem bibelschweren Monster, bleibt dann immer noch jede Menge zu lesen. :-)

Solche Zeitungsklassiker wie dich gibt es natürlich. Nur werdet ihr wohl nicht die ganze Branche retten können.

Ich denke vor allem, dass sich Zeitungen, anders als vielleicht noch Magazine, auf dem Papier erledigt haben. Denn wenn die bei mir auf dem Tisch landet, habe ich das wichtigste schon über's Internet erfahren.

Die Zeitung hat sich mal als schnellstes Medium gebrüstet, heute bietet sie eben einfach nur noch Yesterday's News. Ich hoffe aber, dass das Konzept Zeitung bestehen bleibt. Doch es braucht eine neue, den neuen Rezeptionsgewohnheiten und -erwartungen angepasste Form.

July 1, 2009 | Registered CommenterBerlinessa

@Dörte. Ich denke, dass die Tendenz in Richtung einer mehr personalisierten Zeitung (im Internet) gehen wird. Und wie man sich um Betatests Wundertütenwünsche kümmert, die ich übrigens trotz allem teile, wird man sehen.

Zeitung auf Papier ist aber durch. Lässt sich einfach mit dem "Newsanspruch" nicht verbinden. Zeitung auf Kindle und Co. wird es wohl eher werden, ist auch ein bisschen haptisch. :-)

July 1, 2009 | Registered CommenterBerlinessa

"Zeitung auf Papier ist aber durch." - da gibts eine klassische Antwort: Hast Du jemals versucht, die Mücke, die Dich im Schlafzimmer quält, mit einem Laptop zu erschlagen ????

July 1, 2009 | Unregistered CommenterD.

> Ich denke vor allem, dass sich Zeitungen, (...) auf dem
> Papier erledigt haben. Denn wenn die bei mir auf dem
> Tisch landet, habe ich das wichtigste schon über's
> Internet erfahren.

Nun sagst Du aber selbst, dass Du sowieso nur eine Sonntagszeitung liest - also ein Magazin im Zeitungsformat - und damit bist Du ohnehin keine Zeitungsleserin im herkömmlichen Sinne, und wenn Du von Dir auf die Allgemeinheit schließt, dann bekommst logischerweise ein stark verzerrtes Bild.

Und was "das Wichtigste" ist, das Du schon längst übers Internet erfahren hast, das ist eben individuell unterschiedlich. Fakt ist doch, dass (zumindest derzeit) die Nachrichten fürs Netz vor allem schnell sein müssen und Tiefe - noch - auf der Strecke bleibt. Zeitungen bieten einen Mehrwert, wenn sie eben vorausschauend zusammengestellt werden - also über das reine Nachrichten-Abfeiern hinausgehen, und viele gute Zeitungen tun das längst. Wobei ich vorrangig vom deutschen Markt spreche. In den USA waren Zeitungen immer schon vergleichsweise bdeutungslos - die USA sind ein Fernsehland, kein Zeitungsland, wenn es um Informationen geht.

> Die Zeitung hat sich mal als schnellstes Medium
> gebrüstet,

... das muss aber vor dem Ersten Weltkrieg gewesen sein, denn seit der Weimarer Republik galt das Radio als schnellstes Medium ...

> heute bietet sie eben einfach nur noch Yesterday's
> News. Ich hoffe aber, dass das Konzept Zeitung
> bestehen bleibt. Doch es braucht eine neue, den neuen
> Rezeptionsgewohnheiten und -erwartungen angepasste
> Form.

Zum einen produzieren Zeitungen seit Jahrzehnten leserseitig gewünschte Nachrichten. Zum anderen frage ich mich, wie Du abschließend beurteilen kannst, dass Zeitungen lediglich "yesterday's news" produzieren, wenn Du gar keine Tageszeitungen liest... Ich erfahre bei der Zeitungslektüre viel Neues, und das jeden Tag. Auch deswegen, weil ich in der Zeitung nicht so selektiv und oberflächlich lese wie am Bildschirm, wo Animationen und Bildschirmflimmern intenstive Leseerlebnisse gar nicht zulassen.
Aber jede Jeck is anners.

Ich glaube jedenfalls nicht ans Zeitungssterben. Axel Springer hat im Frühjahr einen Rekordgewinn vermeldet - das spricht nicht für ein Sterben. Als das Internet Anfang des Jahrzehnts bedeutungsmäßig anzog, hatten selbsternannte "Experten" man auch den baldigen Büchertod vorherhergesagt - und heute werden mehr Bücher verkauft denn je. Go figure.

July 1, 2009 | Unregistered CommenterBetatest

Betatest, du bist ja echt großartig. Schön, dass du mir hier so fundiert die Leviten liest. Meine ich Ernst. :-)

Und ich finde das Prinzip "Zeitung" großartig. Habe diese sogar zum 400. Geburtstag in einer Rede für Wolfgang Thierse gefeiert und gewürdigt. Mir geht es um die Form. Die kritisiere ich als nicht besonders zukunftstauglich.

Und ich kritisiere die Vernachlässigung der Möglichkeiten des Internets neben anderem eben auch als Umsatzgenerator für Zeitungen.

July 2, 2009 | Unregistered CommenterBerlinessa

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