Eine Blogger-Love-Story mit Happy End
Saturday, August 20, 2011 at 8:50 Es ist jetzt schon über zwei Jahre her, dass mich Lia von Sexdrugsblognroll.com für ein Feature auf ihrem Blog interviewt hat. Damals kannte ich weder sie noch ihren Blog. Nächste Woche zieht sie in meine Berliner Wohnung.
Unsere kleine Geschichte ist ein herzliches "Fuck you!" an alle, die sozialen Medien die Möglichkeit absprechen, eine Basis für ernstzunehmende menschliche Beziehungen zu sein.
Ich habe Lia bis heute noch nie persönlich getroffen und doch ist sie eine überaus wichtige Freundin für mich geworden. Unsere Couch, auf der wir klönen, uns kaputt lachen, das ganze Leben furchtbar aufregend finden, Lösungen für Probleme und garantiert immer ein offenes Ohr finden, heisst GChat und manchmal Skype.
Wir sind füreinander da. Wenn ich tödlich nervös bin, weil ein mutmasslich alles entscheidenden Treffen mit einem Kunden ansteht, ist sie da. Wenn sie Kritik zu ihrer Bachelorarbeit braucht, bin ich da. Wenn ich nach gefühlten tausend Versuchen immer noch keine Hochzeitsschuhe gefunden habe, ist sie da. Wenn sie sich überlegt, wie es weitergeht nach der Uni, bin ich da.
Und unser Humor ist so erschreckend kompatibel, ich lachträne ständig die Tastatur voll!
Die Technologie, die unsere Freundschaft ermöglicht hat, ist unsichtbar.
Lia ist nicht meine Internet-Freundin. Lia ist meine Freundin. Wir reden, wir lachen, wir sind ernst, wir nehmen am Leben des anderen Teil, wir arbeiten an gemeinsamen Projekten. Und wer sagt, eine feste Umarmung gehört zu einer Freundschaft zwingend dazu, kennt die Kraft der Herzchen <3 <3 <3 und der Skype-Umarmungsbärchen offensichtlich nicht.
Meine Freunde hier in New York und auch in Berlin -- herrje, selbst meine Mutter -- kennen sie aus Erzählungen. Sie ist einfach so sehr ein Teil meines Lebens geworden, dass sie selbstredend in meinen Gesprächen vorkommt.
Uns verbindet eine Vertrautheit und eine gegenseitige Bewunderung und Achtung.
Es war für mich wirklich ein Glück, Lia zu begegnen. Ich sehe mich in ihr, ihre crazy Ambitions, ihren unausschöpflichen Mitteilungsdrang, ihre Talente, ihre krasse Arbeitsethik und verstehe mich auch als Mentorin, die mithilft, wenn es darum geht, die Steine auf der Überholspur aus dem Weg zu räumen. Ich hatte ja schon den einen oder anderen Erfolg im Leben und ich wäre sowas von saustolz, wenn sie über all dies noch den einen oder anderen Meter hinauswächst.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich Lia nach etlichen erfolgreichen gemeinsamen Projekten kurzerhand als COPYGOLD-Junior-Texterin angeheuert habe? Jaja, na klar!
Und in zwei Jahren, wenn sie mit ihrem Master fertig ist, wird sie das Berliner Büro von COPYGOLD übernehmen. So sehe ich das zumindest in meiner Kristallkugel.
Doch zuerst zieht sie nächste Woche in meine Berliner Wohnung, die ich seit meinem Ortswechsel nach New York nicht aufgegeben habe und die einer Reihe fabelhafter Menschen die erste Berliner Heimat war.
So schliesst sich der Kreis und ist der Anfang eines neuen Kapitels unserer Freundschaft.
Eine Freundschaft, die hier begann. Auf Berlinessa. Und ich verdanke diesem Blog und euch, die ihr mich mit euren Zugriffen und Kommentaren dazu ermuntert habt, immer weiter zu schreiben, sehr sehr viel.
Doch für die Freundschaft mit Lia bin ich ihm und euch besonders dankbar.
Eine Freundschaft powered by Squarespace, Google, Skype, Facebook, Twitter, und LOOOOVE!
Willkommen im 21. Jahrhundert der menschlichen Bindungen.


Reader Comments (14)
Das klingt doch richtig toll, schön wenn es solche Freundschaften gibt :-)
Jajajaja!
Toll! ich hab bis jetzt auch immer wieer sehrgute Freunde im Internet gefunden...mit der Liebe klappt das aber dort nicht so, aber egal.
Es lebe das web 2.0!!!
liebe berlinesse,
ganz herzlichen dank für diesen post, der es gemacht hat, dass mir a) das herz aufging und ich b) ein bisschen traurig geworden bin.
a) weil ich immer noch daran glaube, dass so etwas, wie du es beschreibst, möglich ist.
b) weil ich mit sovielen menschen zu tun habe (oder eben auch nicht), die das web und das "richtige leben" strikt trennen.
dabei finde ich nix piefiger als eben diese trennung. denn das würde ja bedeuten, dass eben jene menschen, sobald sie sich ins netz begeben, sich im zustand einer art wachkomas oder so befinden. ich mein, wenn ich facebooke, twittere ect. dann ist das doch auch mein leben, oder?
seltsam, diese ängstliche form der netten selbstdarstellung, in der es keine ecken und kanten gibt und somit keine richtige kommunikation...
nun denn: genug zugetextet und lieben gruss aussem pott!
susanne
Das ist sehr schön und sehr schön gesagt!
Du beziehst dich auf Kritiker neuer Kommunikationsmöglichkeiten, die, wenn sie diese Medien kritisieren, etwas noch Wesentlicheres unterschätzen: das Wort, die Sprache. Kein Wort ist wertfrei, an jedem gesagten oder geschriebenen Wort haftet eine Emotion.
Wunderbar wie Du beschreibst, wie viel von einer Persönlichkeit diese Kommunikation tragen kann, und wie es möglich ist, diese Persönlichkeit, also eine individuelle Person, kennen, schätzen und auch lieben zu lernen!
So schwer, wie es manchmal ist, auch so überzeugend zeigt dies, dass wir uns richtig entschieden haben, aus der Sprache unsere Welt zu machen :-)
lingoas-binationaler-federgras
So eine schöne Geschichte, danke dafür!
@paulinchen. Klappt halt alles genauso gut und nicht gut wie im Offline-Leben. Geduld! :)
@Susanne. Danke für die lieben Grüße!
@lingoas. Nicht nur die Sprache wird unterschätzt. Die gesamte Trennung von "richtigem" und "online"-Leben ist absurd. Wie das Susanne schon sagt. Mein richtiges Leben findet überall statt.
@bine. Gerne. :)
eben hat sich ein alter bekannter von mir auf facebook gelöst, weil meine Posts ihm zu beruflich orientiert sind - er hätte gern mehr privates ... doch weil mein leben - genau wie das eure - nicht trennt zwischen arbeit und leben, zwischen privat und beruflich, stimmte ich leichten herzens der lösung zu.
eure geschichte bewegt mich, weil sie neben der untrennbarkeit von 'social' im 'echten' und 'internet' zeigt, wie viel vertrauen und nähe neben den technischen möglichkeiten lebbar ist. weiterhin viel freude aneinander.
@Dörte. Danke für deinen Kommentar. Schade, dass dein Bekannter das nicht "aushalten" konnte.
Danke, dass es mal jemand ausspricht, ähh -schreibt ;)
Awsome story! Das Internet ist wahrlich eine Wundertüte und ich kanns ehr gut nachvollziehen, was du schreibst. Nur schade, dass die Menschen, die das Internet immer noch für BÖSE, isolierend und oberflächlich halten, diese Zeilen vermutlich nicht lesen werden :-(
Liebe Grüße übern Teich
Petra