Wetter-Update
Thursday, December 28, 2006 at 16:59 Vertrauliche Quellen haben mir heute berichtet:
In Berlin hat's geschneit.
In New York dagegen habe ich heute ein Mädchen gesehen, das zum kurzen Rock nicht einmal eine Strumpfhose trug.
Eine Berliner New Yorkerin, die den Abenteuern und Banalitäten der Metropole mit ner doppelten Erwachsenenportion Neugier und Mitteilungsbedürfnis begegnet.
Eine selbstständige Werbetexterin mit Schwäche für Projekte in den Bereichen Lifestyle, Kosmetik und Fashion und einer ganzen Hand am Puls der aktuellen Trends und Strömungen
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Kannst mir auch schreiben, ich freu mich: hallo@berlinessa.com
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Thursday, December 28, 2006 at 16:59 Vertrauliche Quellen haben mir heute berichtet:
In Berlin hat's geschneit.
In New York dagegen habe ich heute ein Mädchen gesehen, das zum kurzen Rock nicht einmal eine Strumpfhose trug.
Thursday, December 28, 2006 at 10:17 Zähne zusammen beißen und rein in die Bronx
„Steig in das letzte Abteil des 5er-Zuges, der von Manhattan in die Bronx fährt und drück auf Play, wenn du aussteigst.“ So steht es auf der Soundwalk-Hülle geschrieben. Eine Graffiti-Tour durch den Süden der Bronx wird das nächste Audio-Abenteuer. Ich stehe auf dem Bahnsteig in der 135. Straße. Noch bin ich in Manhattan und warte auf den Zug.
Der Zug kreischt zum Halt. Mit dem gleichen Geräusch, mit dem eine Kreissäge auf Metall trifft. Die Bronx soll gefährlich sein und irgend jemand hat da wohl auch schon einmal einen Schuss gehört. Die Bewohner der Bronx sind zum größten Teil afro-amerikanisch und latein-amerikanisch und in den USA begegnet man solchen Gegenden gern mit Vorurteilen. Ich weiß also nicht einmal, ob mein Schiss berechtigte Vorsicht oder der dumme Glaube an ein Vorurteil ist. Aber Angst ist Angst und deshalb liegt die Kreditkarte im Hotel, und im Portmonnaie stecken nur 40 Dollar. Zur Sicherheit.
Der Zug steht. Tausend Gedanken fluten durch meinen Kopf: Was wird passieren, wenn ich in die Bahn steige? Werden Bösewichte in mir ein praktisches Opfer sehen, das man vor dem eigenen Zielbahnhof noch schnell berauben kann? Wird man mich nur berauben oder direkt erschießen? Gibt es eine Notbremse? Gibt es Regeln für korrektes Verhalten bei einem Überfall?
Die Türen öffnen und schließen sich. Das Neonlicht ist hell. Wie die Stimmen der zwanzig Kinder, die das Abteil bevölkern. Keine Schurken mit halbautomatischen Feuerwaffen im Holster. Keine Übeltäter, die es auf fremde Dollarnoten abgesehen haben. Nein. Sondern eine Schulklasse, die sich den Weg nach Hause mit Singen, Tanzen und Klatschspielen vertreibt. Ein Spiderman-Rucksack fällt um. Eine Coladose rollt heraus und wird von dem Hip-Hop-Tanzschritt eines Jungen gestoppt. Ich muss lachen, über ihn. Und über mich. So einfach bröckeln Vorurteile.
Mein Audiobegleiter BG183 begrüßt mich in der Bronx. „Willkommen in meiner Nachbarschaft. Welcome to my neighborhood.“ Er wird mich an den Ohren durch die Straßen führen. BG (Bie-Dschie) ist einer der Pioniere der Graffiti-Subkultur und Mitglied der Tats Cru, einer der bekanntesten Graffiti-Crews Amerikas. In den 1980ern hat er die Metro-Züge New Yorks mit Sprühfarbe bemalt, jetzt sind die Jungs der Tats Cru hauptsächlich mit riesigen Wandgemälden beschäftigt.
(Fortsetzung folgt morgen)
Thursday, December 28, 2006 at 0:42 Wenn ich in meinem neuen Brooklyner Yoga-Studio in der Endentspannung auf'm Rücken liege, kann ich fühlen, wie der L-Zug unter meinem Arsch entlang fährt.
Man weiß ja nie, wozu solches Wissen mal nütze ist...
Wednesday, December 27, 2006 at 10:23 Draußen schmilzt der Asphalt in der Sonne, ich halte in der Brooklyner Schokoladenmanufaktur „Jaques Torres“ einen Becher dampfenden Kakao in der Hand. Der Audiobegleiter hat mich hierher geführt und die Hot Chocolate als „den absoluten Killer“ empfohlen. Wer könnte da widerstehen? Ich entscheide mich für eine Wicked Hot Chocolate, die mit Chipotle-Paprika und Chillie verrückt (wicked) gemacht wurde. Ein kräftiger cremiger Kakao mit einem Hauch an Schärfe. Wie der, den Juliette Binoche in dem Film „Chocolat“ ihren Kunden kredenzt. Hmm. Himmlisch. Mein Gaumen jubelt. Die beste heiße Schokolade der Welt. Nebenan, nur durch Glaswände vom Laden- und Cafébereich getrennt, bereiten Chocolatiers die kleinen Köstlichkeiten, mit denen die Vitrinen gefüllt sind. Es sieht aus wie komplizierte Arbeit in einem Labor: Drei Frauen in weißen Kitteln und Haarnetzen stehen gebeugt über kleinen Pralinen, die deutlich schneller auf der Zunge zergehen, als sie zubereitet sind.
Vor mir die Manhattan Bridge, riesig und wie zum Greifen nah. Darunter der East River, der Manhattan von Brooklyn trennt, als schmales blaues Band. Am anderen Ufer die Skyline. Den ohrenbetäubenden Lärm, mit dem die Metro im Minutentakt über die Brücke donnert, höre ich auch mit den Kopfhörern im Ohr. – Ich wusste nicht, was mich erwartet, als ich den passenden Zugangs-Code in die Zahlentasten neben einer Hauseingangstür getippt habe. Mein Audiobegleiter hatte ihn mir mit der Anweisung, in den 8. Stock zu fahren, ins Ohr geflüstert. Durfte ich das überhaupt? Als würde Asa meine Unruhe spüren, ermutigt er mich, hineinzugehen, weiterzugehen, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Im Hintergrund rezitiert eine Dichterin ihre Verse. Und plötzlich stehe ich vor dem perfekten New York-Panorama. Die Stimme hat mich auf ein Dach gelotst.
Wow. Mir bleibt fast der Atem weg. Wer Manhattan nie verlässt, verpasst wirklich etwas. Und sei es nur die Erkenntnis, wie schön die New York-Insel aus der Ferne ist. Ich kann meinen Blick erst wieder lösen, als ich merke, dass mir die geteerte Dachpappe unter den Füßen brennt. Und spätestens jetzt steht fest: Es lohnt sich, den Empfehlungen der Stimme aus dem Ohr zu folgen und ungewohntes Terrain zu betreten. Mit dem Audio-Begleiter werde ich mich nie allein gelassen fühlen.
Die erste Tour endet in einem kleinen Park direkt am Ufer des East Rivers. Ich sitze auf einer Bank; vor mir das Wasser, hinter mir eine große Wiese. Zur Linken ragt die Brooklyn Bridge in die Höhe. Zwischen einem ihrer Brückenpfeiler und dem Ufer von Manhattan reckt die Freiheitsstatue in der Ferne ihre Fackel in den blauen Himmel. Ich überlege kurz, gleich noch einmal mit Asa im Ohr durch Dumbo zu spazieren. Die Faszination Audiotour hat mich ergriffen. Zum Glück warten in meiner Tasche noch zwei weitere Touren.
(Fortsetzung folgt morgen)
Tuesday, December 26, 2006 at 22:34 New Yorker Trinkgeldgewohnheiten
20% Trinkgeld: guter Service = Kellner war nett zu dir, hat dir nicht den Cocktail über den Schoß geschüttet und keine frechen Bemerkungen über deine Frisur gemacht
18% Trinkgeld: okay-er Service = Kellner hat dich weder verdursten noch verhungern lassen
15% Trinkgeld: noch akzeptabler Service = Kellner hatte nicht die beste Laune und dich manchmal warten lassen
unter 15%: Service war unter aller Sau = Kellner hat entweder in dein Essen gespuckt oder gesagt, deine Mutter arbeitet im horizontalen Gewerbe
Ein Freund hat es so auf den Punkt gebracht: Wenn du weniger als 15% gibst, kannst du dem Kellner auch mit einem "Fuck you!" eine in die Fresse hauen. Es kommt auf's Gleiche raus.
Kinder. Ich finde das beknackt.
Was soll ich machen, wenn der Kellner mal richtig gerockt hat? Das Doppelte zahlen? Blumen kaufen? Sexuelle Gefälligkeiten anbieten? -- Helft mir!